Großes Thema im Alter: Ganginstabilität

Osteopathie und Physiotherapie. Foto: lartaldato / pixabay
Geschäftsführerin Kirsten Walter vom Darmstädter Sanitätshaus Kattler im Interview mit Herrn Hans Dietzel.

Verschiedene Körpereinschränkungen wie Schwindel, muskuläre Schwäche, Gelenkprobleme und fehlende Belastbarkeit führen oft zu einer Ganginstabilität. In solchen Fällen benötigt man eine Gangunterstützung wie zum Beispiel einen Rollator. Ein Rollator ermöglicht es, mobil zu bleiben, die Selbständigkeit zu erhalten, am sozialen Leben teilzunehmen und nach den eigenen Bedürfnissen zu leben. Außerdem lassen sich Einkäufe damit sicher nach Hause transportieren und seine Sitzfläche ermöglicht kurze Verschnaufpausen. Je leichter und schöner ein Rollator ist, umso lieber läuft man damit und kommt so bis ins hohe Alter zu gesundheitsfördernder Bewegung. Das Interview führte Hans Ditzel. Er ist Experte mit mehr als dreißigjähriger Berufserfahrung im hessischen Gesundheitswesen – unter anderem im Kliniksektor sowie im Verbandsbereich der Krankenhäuser.

Hans Ditzel: Wie kommt man auf das Thema Ganginstabilität?

Kirsten Walter: In unserem Sanitätshaus ist man am Puls der Zeit. Täglich bekommen wir Rezepte mit der Diagnose „Ganginstabilität“: Sie kann viele Ursachen haben: Schwindel, Arthrose und vieles mehr. Sehr oft geht die Ganginstabilität schlicht mit dem Älterwerden eines Menschen einher.

Ditzel: Was können Sie für die Menschen mit einer Ganginstabilität tun?

Walter: Wir beraten und unterstützen die Patienten bei der Auswahl des geeigneten Hilfsmittels, denn es gibt da eine ziemlich große Bandbreite: Allein schon bei den Gehstöcken gibt es eine riesige Auswahl, ob sie nun aus Holz, Stahl, Aluminium oder Carbon sind, faltbar, mit Soft- oder  atomischen Griffen ausgestattet sind, farbig oder schlicht. Dann gibt es Gehböcke, Rollatoren unterschiedlichster Arten und Qualitäten und natürlich auch Rollstühle – und auch hier gibt es eine große Vielfalt, aus der man als Patient das für den individuellen Bedarf am besten Passende bekommen möchte.

Ditzel: Was unterscheidet ein Sanitätshaus von einem Internetshop und großen Ketten?

Walter: Wir verfügen über wertvolles Fachpersonal, das auf jedem einzelnen Fachgebiet, sei es Reha, Venen, Lymphe oder Brustprothetik spezialisiert ist. Wir nehmen uns persönlich Zeit, auf individuelle

Kundenwünsche einzugehen. Außerdem sind wir, da unsere Arbeitsabläufe nicht völlig automatisiert sind, logistisch relativ flexibel und können so auch in Notfällen, die ja leider immer unerwartet auftreten, kurzfristig helfen.

Ditzel: Was heißt denn „auf die individuellen Kundenwünsche einzugehen“ in Ihrem Fall?

Walter: Uns ist es sehr wichtig, dass ein Patient auch mit einem Standardprodukt gut versorgt wird. Inwieweit diese Produkte eine große Auswahl und Bequemlichkeit versprechen, sei dahingestellt.

Ditzel: In § 33 Sozialgesetzbuch V ist geregelt, dass in Deutschland jeder Krankenversicherte Anspruch auf Hilfsmittel hat. Ist die Hilfsmittel-Versorgung dementsprechend im praktischen Alltag bzw. konkreten Fall auch immer zuverlässig gewährleistet?

Walter: Auf jeden Fall! Die Krankenkassen lassen niemanden im Stich, wenn er aufgrund seiner Krankheit eine Versorgung benötigt. Unklarheiten herrschen aber offensichtlich über die Möglichkeit der individuellen Wahl eines Leistungserbringers, und das betrifft ganz besonders die Entscheidungsfreiheit der Patienten in Krankenhäusern.

Ditzel: Inwiefern?

Walter: Was am Anfang sehr bequem erscheint, kann zu einem späteren Zeitpunkt zum Problem werden. Ich finde, auch im Krankenhaus müsste jeder Patient das Rezept vom Arzt selbst ausgehändigt bekommen, damit er sich den Versorger selbst aussuchen kann. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass die Patienten über ihre Entscheidungsfreiheit informiert werden und so selbst entscheiden können, von welchem Sanitätshaus sie letztendlich versorgt werden möchten.

Ditzel: Kommen wir wieder zurück zur Ganginstabilität. Im vergangenen Jahr gab es bei Ihnen einen Rollatorentag – ist das auch für dieses Jahr geplant?

Walter: Selbstverständlich!  Wir werden wieder gebrauchte Rollatoren von Kunden überprüfen; wir nennen das scherzhaft Rollatoren-TÜV. Jeder einzelne Kunde hat an dem Tag die Möglichkeit, sich ausführlich über Rollatoren beraten zu lassen und den für ihn am besten geeigneten aus 15 verschiedenen Modellen auszusuchen.

Ditzel: 15 verschiedene Modelle! Was gibt es da alles an Auswahl – und zahlen die Krankenkassen alle Modelle?

Walter: Es gibt alles – vom Standard-Rollator über Wohnraumrollatoren bis zum ultraleichten Carbon-Luxusrollator! Die Krankenkassen zahlen natürlich keinen Luxus-Rollator, sondern nur die Standardqualität. Wenn aber der Patient einen besseren, also eine so genannte höherwertige Versorgung, kaufen möchte, kann er die Preisdifferenz zuzahlen.

Ditzel: Wie tragen Sie aktuellen Entwicklungen im Gesundheitsbereich Rechnung?

Walter: Wir expandieren im Rehabereich. Da wir, wie ich schon vorhin erwähnt habe, noch relativ flexibel sind und schnell bei Hilfsmittelbedarf reagieren können, passt das nicht nur sehr gut mit dem neuen Entlass-Management im Klinikbereich zusammen, sondern zum Beispiel auch bei der Zusammenarbeit mit dem Palliativteam. Damit alles noch schneller und reibungsloser läuft, haben wir unser Reha Team vergrößert, indem wir zusätzliche Fachkräfte eingestellt und weitere Auslieferungsfahrzeuge einsetzen.